Szombathelyi Egyházmegye

Duka: Hl. Martin steht für Gottesdienst, Verkündigung und Caritas


Der heilige Marin hat Europa tief geprägt und in seinem Leben die kirchlichen Grundvollzüge Gottesdienst, Evangeliumsverkündigung und tätige Nächstenliebe verkörpert. Diesen Gedanken stellte Kardinal Dominik Duka in das Zentrum seiner Predigt beim internationalen Katholikentreffen der Martinspfarren am Samstag im ungarischen Szombathely (Steinamanger). Der Prager Erzbischof leitete als päpstlicher Legat den Festgottesdienst mit mehreren Tausend Gläubigen aus Ungarn und anderen Ländern, an dem u.a. der Vorsitzende der Ungarischen Bischofskonferenz, Bischof Andras Veres, und der Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovics teilnahmen. (www.kathpress.at)


Barmherzigkeit und Nächstenliebe - die zentralen Botschaften Martins - waren Hauptthemen des vielfältigen Programms in der Stadt nahe der burgenländischen Grenze, die die Nachfolgerin der einstigen Römersiedlung Savaria ist. Im Blick auf die Biografie des Heiligen erinnerte Kardinal Duka daran, dass sich Martin als Soldat und noch vor seiner Taufe durch Achtsamkeit und Nächstenliebe ausgezeichnet habe. Martin mache deutlich, wie engagierte aber nicht getaufte Menschen in den Dienst am Menschen treten können, wenn sie der Nächstenliebe loyal sind. Dies mache ihn über Glaubensgrenzen hinweg zu einem Vorbild für alle Menschen.

Tätige Nächstenliebe sei auch nach der Taufe eine Grundkonstante in seinem Wirken im damaligen Gallien geblieben, wo Martin zu einer Schlüsselfiguren beim Aufbau der Kirchenorganisation wurde. Dabei habe er die drei Grundvollzüge von Kirche verkörpert: Liturgie, Verkündigung und Caritas. So habe Martin den Gottesdienst nicht bloß als Ritus oder Zeremonie, sondern vielmehr als Vergegenwärtigung des Opfers Jesu Christi und seines Heilswerkes verstanden. Deshalb werde der heilige Martin in der christlichen Kunst oft als Zelebrant einer Messe dargestellt.

Martin stehe mit seinen Klostergründungen und Missionsaktivitäten für die Verkündigung des Evangeliums, so Duka. Und schließlich sei sein karitatives Wirken damals für nicht nur für Gallien, sondern für die Bischöfe in gesamten Römischen Reich beispielgebend gewesen. "Wenn wir also die Lebensgeschichte des heiligen Bischofs von Savaria bis Tours vor Augen führen, dann erscheint vor uns auch die Geschichte der Kirche bis zum heutigen Tag", sagte der Erzbischof von Prag. Dieses Lebenszeugnis habe in der Kirche weitergewirkt. Als Beispiele für dieses diakonische Handeln nannte der Kardinal den hl. Franziskus sowie für Mitteleuropa so bedeutenden Frauen wie die hl. Elisabeth in Thüringen, die hl. Kinga in Polen und die hl. Agnes in Böhmen.

Gute Zukunft nur mit Nächstenliebe

Der Blick in die Geschichte zeige, wie Nächstenliebe und Mitgefühl gelebt wurden und auch heute zu leben sind, so der Prager Erzbischof. Darauf weise heute immer wieder Papst Franziskus hind und dies sei auch Inhalt des Heiligen Jahres der Barnmherzigkeit. "Wenn wir unsere Gegenwart nicht in diesem Sinne leben, dann werden wir auch keine Zukunft haben", betonte der Kardinal. Die heutige kriegerische und komplizierte Lage mache deutlich: "Der Weg zum glücklichen Leben im Frieden führt über die Bereitschaft zur Hilfeleistung. Vergessen wir aber dabei auch unsere Verantwortung für die Vergangenheit nicht, damit wir unseren Glauben in Freiheit und gegenseitiger Achtung auch in der Zukunft leben können."

Das internationale Katholikentreffen auf dem Emlekmü-Hügel von Steinamanger, dem Geburtsort des hl. Martin, bildete zur Halbzeit des internationalen Gedenkjahres zum 1.700. Geburtstag des Heilgen einen Höhepunkt. Auf dem Festgelände fanden zudem unter dem Motto "Erfahre die erhebende Liebe und gib sie weiter" Konzerte, Kinderprogramme, biblische Spiele, Theateraufführungen und Sozialaktionen statt.

Zsifkovics: Martinus ist Brückenbauer

Sehr beeindruckt vom internationalen Martinsfest zeigte sich Bischof Zsifkovics: "Die Begeisterung und herzensbewegende Kraft, die von der wegweisenden Barmherzigkeit und Nächstenliebe des heilige Martin ausgeht, ist schier überwältigend", so der Bischof nach dem Fest, für den hl. Martin auch ein Brückenbauer zwischen Kulturen und Identitäten war und ist. Martinus habe wie kaum ein anderer gewusst, "wie sehr sich Einheit und Vielfalt wechselseitig befruchten müssen und wie wenig sie gegeneinander ausgespielt werden dürfen. Einheit auf Kosten von Vielfalt wird zur Unterdrückung von Freiheitsräumen, wird zur Wüste der Uniformität, in der Lebendigkeit und Individualität vertrocknen. Vielheit auf Kosten von Einheit führt wiederum in die Orientierungs- und Perspektivenlosigkeit und wird zum Nährboden für Ängste und Ressentiments." In der Person des heiligen Martin hingegen gehe die Offenheit für Neues, die Bereitschaft zur Überwindung von Grenzen Hand in Hand mit der Verwurzelung in haltgebende und identitätsstiftende Prinzipien.

Brücken zwischen Menschen und Kulturen zu bauen steht auch im Zentrum des nächsten Höhepunktes im Martinsjahr: So findet am 15. Juli im Szombathely ein internationales Jugendtreffen statt, das den Abschluss einer 2.500 Kilometer langen Pilgerreise bildet, auf die sich junge Pilger schon vor Tagen und Wochen begeben haben. Ausgangspunkt dafür war das französische Tours, von wo die Pilger entlang der "Via Sancti Martini", dem revitalisierten europäischen Wegenetz auf den Spuren hl. Martin, nach Steinamanger unterwegs sind.

Martinus wurde wahrscheinlich im Jahr 316 in der Stadt Savaria geboren, dem heutigen Szombathely. Der Sohn eines römischen Tribuns trat auf Wunsch seines Vaters in die römische Armee ein. Nach seiner Bekehrung ließ sich Martin mit 18 Jahren taufen, quittierte den Militärdienst und wurde zunächst Missionar. Seit 371 war er Bischof von Tours an der Loire; er starb am 8. November 397 in seiner Diözese. Das Grab des fränkischen Nationalheiligen und Patrons u.a. auch der Schneider, Bettler, Geächteten und Kriegsdienstverweigerer in Tours ist eine bedeutende Wallfahrtsstätte. Diözesanpatron ist Martin u.a. in Szombathely, Eisenstadt, Mainz, Rottenburg und Buenos Aires.